4. September 2017

WELCOME


Ulrike Kuschel, 1972 geboren in Berlin, interessiert sich vor allem für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, für das Verhältnis von Kunst und Politik, für Formen der Erinnerung und des Gedenkens. Kontext-bezogene Recherchen und ein konzeptueller Ansatz sind kennzeichnend für ihre künstlerische Arbeitsweise, die verschiedene Medien umfasst. Grundlage ihrer Projekte sind häufig Bild- oder Textdokumente aus Medien, Archiven und Bibliotheken.
Unter INFORMATION + TEXT finden Sie u.a. einen Lebenslauf und eine Auswahl von Arbeiten seit 1997, die mit Abbildungen und kurzen Infos verlinkt sind. Über den INDEX kann man sich die Arbeiten thematisch oder nach Medien gefiltert anzeigen lassen.

Ulrike Kuschel, 1972 born in Berlin, works with photography, drawing, text, installation, video, and audio recordings. She takes a great interest in European and German history of the 20th century, in the relationship between art and politics, and in the culture of remembrance. Research related to specific contexts and a conceptual approach are characteristic of her artistic practice. Her projects are often based on images and text documents from mass media, archives or libraries.
In INFORMATION + TEXT you can find Kuschel’s CV. Entries in the list of selected works from 1997 onward in ENGLISH POSTS are linked with images and short information. You can use the INDEX to screen selected works on certain topics. (use web view) 



1. Juli 2017

M. L. #1 - #5, 2017

140 x 86 cm, Siebdruck, Tusche, Filzstift auf Karton, gerahmt

in der Ausstellung "Luther und die Avantgarde"
Wittenberg, Altes Gefängnis
19.5. - 31.10.2017

Mit der 500-Jahrfeier der Reformation rückt erneut Martin Luther in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, eine große, wortgewaltige und umstrittene Persönlichkeit der deutschen Geschichte, die über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich bewertet und auch politisch instrumentalisiert worden ist.
Mein Beitrag für die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ beschäftigt sich mit dem komplexen Thema des Lutherbildes. Der Begriff Lutherbild ist zweideutig. Einerseits ist damit die Abbildung von Luther gemeint, andererseits die historische Darstellung des Reformators, seines Wirkens und seiner Bedeutung für die (deutsche) Geschichte, die in Textform festgehalten wird. Im Gegensatz zu den bildlichen Lutherdarstellungen, die auf eine begrenzte Anzahl von künstlerischen Vorbildern zurückgeht und daher einen hohen Wiedererkennungswert haben, hat sich das theoretische Lutherbild als sehr wandelbar erwiesen und wurde über die Jahrhunderte immer wieder auch politisch instrumentalisiert. Angelehnt an die Tradition des Figurengedichts habe ich auf der Grundlage von fünf verschiedenen Texten neue "Lutherbilder" zusammengesetzt. 


M.L. #4

























M.L. #5
























M.L. #1 
Auszug aus einer Rede von Erich Honecker anlässlich der Konstituierung des Martin-Luther-Komitees der DDR in Berlin (Ost); Neues Deutschland, 14./15. Juni 1980, S. 3.

M.L. #2 

Auszug aus einer Rede von Karl Carstens anlässlich der Ausstellung „Martin Luther und die Reformation in Deutschland“ in Nürnberg, 1983; Bulletin, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Nr. 69/1983, S. 637ff.

M.L. #3 

Auszug aus einer Diskussion im Museum für Deutsche Geschichte in Berlin mit einem Wortbeitrag von Jürgen Kuczynski und Kurt Hager, 1952; Max Steinmetz, Einleitung in: Ders. (Hrsg.): Die frühbürgerliche Revolution in Deutschland, Berlin 1985, S. 17f.

M. L. #4

Auszug aus einer Rede von Thomas Mann in der Library of Congress, Washington, 6. Juni 1945; veröffentlicht in: Thomas Mann: Deutschland und die Deutschen, Berlin 1947, S. 13ff.

M. L. #5
Karl Barth: Luther; veröffentlicht in: Theologische Existenz heute, Heft 4/1933, München 1933, S. 8ff. (Auszug)

30. Juni 2017

Großer Teller, 2017

Steinzeug, glasiert, handbemalt, Auflage 6
 
Edition anlässlich der Ausstellung "Luther und die Avantgarde"


4/6



















Edition 1/6 ist Teil der Ausstellung.


















16. Juni 2017

Einladung Open Studio 17./18.6.2017

Der Stadtbezirk wird Galerie.
Offene Ateliers in Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee. 16.–18. Juni 2017, organisiert vom Milchhof e.V.

http://www.artspring.berlin/

Heike Bollig und ich zeigen neue Arbeiten in meinem Atelier.

Wo: Raum 467, Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149/152, 13189 Berlin-Pankow.
Wann: Samstag, den 17., und Sonntag, den 18. Juni, 14-18 Uhr.




16. Dezember 2016

EDUARD KETTNER (BERLIN), 2003


»EDUARD KETTNER (1. Mai)« bis 03.02.2017 in der Ausstellung CROSSWORDS 3, Part two, LAGE EGAL, Raum für aktuelle Kunst, Danziger Str. 145, 10407 Berlin 
lage-egal.de

Kettner zählt zu den ältesten Versandhäusern Europas. Zum Sortiment gehören Jagdartikel, Angel- und Wanderausrüstungen und Freizeitkleidung. Am Standort der Berliner Filiale in der Otto-Braun-Straße 70 befand sich zu DDR-Zeiten das Jagdgeschäft »Suhler Jagdhütte«, dessen Schriftzug neben dem von »Eduard_Kettner« immer noch an der Fassade des Hauses zu finden ist. Zu DDR-Zeiten sollte die Jagd dem Volke gehören. Aber die Realität sah anders aus, für die Regierung, Militär und andere nahestehende Organisationen wurden im Bereich des Jagdwesens Sondergebiete und Sonderkonditionen geschaffen. Besonders berüchtigt war die Jagdleidenschaft des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker: »Nach dem Dienst kennt Erich Honecker meistens nur einen Weg: in die Schorfheide, zur Jagd. Selbst im brisanten Sommer '89 steigt er drei bis vier Mal die Woche vom Volvo in den Jeep. Ein Staatsratsvorsitzender, der die politische Realität weitgehend ausblendet.« (www.mdr.de/exakt/archiv/1176620.html) (UK, 2004)


Eduard_Kettner (1. Mai), C-Print, 99 x 128 cm


Eduard_Kettner (Angst), C-Print, 141 x 178,5 cm

Eduard_Kettner (Suhler Jagdhütte), C-Print, 99 x 128 cm









































15. Dezember 2016

Serie »Penaten«

Penate #4, Keramik, zweifarbig engobiert, h 33 cm, ø ca. 25 cm, 2015

Eine Auswahl der 12 Penaten umfassenden Serie sind ausgestellt und käuflich zu erwerben im Art-Shop der Kunsthalle Lingen.

Kaiserstraße 10a
49809 Lingen
T. (05 91) 5 99 95
F. (05 91) 5 99 05


info@kunsthallelingen.de 
Link zum Art-Shop

29. Juli 2016

Fund (E. Roeder), 2014

Monotypie, 50 x 70 cm

8. September 2015

David, 2014

Monoprint on paper, 50 x 70 cm
after a photograph of David Bowie from 1973

29. Juli 2015

L’oratore, 2011

























3 Fotogravüren, 47 x 33,8 cm, Motivgröße 26,7 x 40 cm u. 40 x 26,7 cm

Skelette (Skelettons), 2008


3 Photogravüren, je 36,5 x 29,5 cm
set of 3 photogravures, 36,5 x 29,5 cm each 


4. Juni 2015

Prenzlauer Promenade, 2013/2014

HD-Video, 30:05 min, Loop
»Ulrike Kuschel präsentiert im gleichen Raum eine Videoarbeit auf einem Monitor, vor dem wir wie durch ein Fenster in die Welt blicken. Das Fenster war und ist ein beliebtes Motiv in der Kunst. Die Parallelen von Gemälde und Fenster als gerahmte Blickfelder sind offensichtlich. So findet das Bild als Fenster in eine andere Welt seit der Erfindung der Zentralperspektive in der Malerei Verwendung als Metapher.
Ulrike Kuschel hat sich wandelnde Szenen einer Werbetafel mit einer Videokamera aufgenommen. Die Tafel steht auf der Straße vor dem Atelier der Künstlerin in Berlin-Pankow und zeigt Poster aus dem Wahljahr 2013: Bundeskanzlerin in Rot, Autowerbung in Rot, SPD-Super-Kanzlerkandidat ganz in Rot. Produktwerbung und Politik Hand in Hand. So wenig Kontroverse wie möglich. Aufs Wohlfühlen, auf das Unpolitische kommt es an. Mit einer einzigen Kamera-Einstellung macht die Künstlerin deutlich, wie wir von den Profis der Direktwerbung sanft, aber allumfassend an der Nase herumgeführt werden.«


Christoph Tannert

zur Eröffnung der Ausstellung »Der rote Faden – Münzenberg als Brücke zum 21. Jahrhundert« mit Fernando Bryce, Ulrike Kuschel, Anke Stiller, Ute Weiss Leder, Kunsthaus Erfurt, 16.06.-17.07.2015

7. Februar 2015

»Provinz«, 2014/2015

Monotypien, 50 x 70 cm, ein- bzw. zweifarbig

 
in der Ausstellung »Die Stadt als Detail / the city as detail«, Salon am Moritzplatz, Berlin
(mit Heidi Specker, Tilo Schulz, Ulrike Kuschel, Bettina Nürnberg, Adam Raymont, Philipp Simon, Olivier Guesselè-Garai, Lena Inken Schaefer, Taiyo Onorato & Nico Krebs, Dirk Peuker, Ossian Fraser, kuratiert von Dirk Peuker)




3. April 2014

Sankt Walter, 2010

Installation mit Hörstück (8 min)

»Sankt Walter« ist anlässlich einer Ausstellung im SPLACE, einem temporären Ausstellungsraum im Untergeschoss des Berliner Fernsehturms, entstanden. Auf der Kugel des Fernsehturms wird bei 
Sonnenschein ein Lichtreflex in Form eines Kreuzes sichtbar, was in den sechziger Jahren für die Auftraggeber, vor allem für den Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, ein großes Ärgernis gewesen ist. Der Fernsehturm wurde deshalb von der Bevölkerung scherzhaft – in Anlehnung an die in unmittelbarer Nähe befindliche Marienkirche – »Sankt Walter« genannt. 
In einer neu verfassten Heiligenlegende verschmelzen Sankt Walter von Pontoise, ein französischer Abt, der in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts lebte, und der Politiker Walter Ulbricht zu einer Person. Eine solche Kompilation von Heiligen war vor allem in der Frühzeit des Christentums ein bisweilen auftretendes Phänomen. Während sich die Besucher die Heiligenlegende, die ich von einer Sprecherin habe einsprechen lassen, auf CD anhören können, liegen auf einem Tisch unter einer Glasscheibe diverse Heiligenbildchen zur Betrachtung aus. Heiligenbildchen von Sankt Walter mit einem Porträt von Walter Ulbricht sind der einzige offensichtliche Hinweis auf den Politiker und können als unlimitierte Edition mitgenommen werden.




Installation im Splace, Berlin, 2010

Saint Walter, 2010

Installation with sound piece 8 min, table, glass, pictures of saints (ready-mades), offset prints, CD player with headphones


For an exhibition in a building adjacent to the Berlin TV tower, I made a work centred on the figure of Saint Walter. »Saint Walter« used to be one of several sneering nicknames for the TV tower which opened in 1969. The nickname emerged because of the cross-like reflection on the aluminium-covered sphere on sunny days, which courted indeed a lot of resentment among the GDR officials. The name also referred to Walter Ulbricht, Head of the State of East Germany who initiated the building of the TV tower, a highly prestigious project of the young socialist state. 
Influenced by the catholic environment of my current residency in Rome, I wrote a legend based on the life of Saint Walter of Pontoise, an abbot who lived in the second half of the 11th century. In the description of his life I then, in a rather unobtrusive way, introduced aspects and anecdotes from the life of communist politician Walter Ulbricht. In fact, the merging of several persons into the figure of one saint has occasionally occurred, primarily in early Christian times. The new Legend of Saint Walter was then read by a female speaker and presented as an audio piece. The listener was invited to take a seat at a small table on which, under a pane of glass, a collection of pictures of saints was presented. Among them a picture of Saint Walter that I had printed, using a pencil drawing of Walter Ulbricht in a saint-like manner. This portrait was the only hint to the politician; his name was not mentioned otherwise.


Click here for installation views

Ulrike Kuschel: Legend of Saint Walter

2. April 2014

Gregor der Große hat geweint, 2010

5 s/w-Siebdrucke, 104 x 82 cm

»Gregor der Große hat geweint« thematisiert die Vereinnahmung der römische Antike durch das Christentum. Die Arbeit besteht aus vier Ansichten eines idealisierten Porträtkopfs von Kaiser Trajan sowie einem Siebdruck, auf dem ein Ausschnitt der Heiligenlegende von Gregor dem Großen abgedruckt ist. Wie auf einer antiken Schrifttafel bricht der Text unvermittelt ab.
Der Ausschnitt aus der »Legenda aurea« von Jacobus de Voragine beginnt mit: »Gregor ging nun einmal lange nach dem Tode Traians über das Traians-Forum und erinnerte sich dabei seiner Milde beim Rechtsprechen. In die Basilika des heiligen Petrus gekommen, weinte Gregor bitterlich wegen des Kaisers Irrglauben. Da erhielt er von Gott die Antwort: Siehe, ich habe deine Bitte erfüllt und Traian die ewige Strafe erlassen, aber hüte dich in Zukunft gewissenhaft davor, für einen Verdammten zu beten! (...)«




In Gedenken an, 2008/2009

57 s/w Laserprints, 29,7 x 42 cm, gerahmt, Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland
Ausstellung »Old School«, Kunsthalle zu Kiel, 2013

















Die Arbeit besteht aus Reprints von 29 Jahreskalendern aus den Jahren 1961 bis 1989 – dem Zeitraum des Bestehens der Berliner Mauer. Die Beilagen aus verschiedenen Zeitungen der DDR enthalten neben offiziellen Informationen, z.B. staatlichen Gedenk- und Feiertagen, auch private Eintragungen ihrer ehemaligen Besitzer. Diesen zwei Arten von Informationen habe ich eine dritte hinzugefügt: die Namen der Opfer der Berliner Mauer – Menschen, die bei Fluchtversuchen an der Mauer erschossen wurden oder in Folge von Verletzungen starben, die sie sich im Grenzgebiet zugezogen hatten. Unter den Opfern befinden sich DDR-Bürger, Grenzsoldaten, aber auch Erwachsene und Kinder aus West-Berlin. Der Arbeit liegt die Liste der Todesopfer an der Berliner Mauer zu Grunde, veröffentlicht vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Stiftung Berliner Mauer (Stand 2009).




















 
»Die Mahnung an die Endlichkeit des Daseins im Bild, das dessen Flüchtigkeit festzuhalten sucht, ist eine wesentliche Funktion der Bildkultur – ob in öffentlichen Denk- und Mahnmälern oder im individuellen Dasein. Die Form, in der jeder einzelne und damit eine ganze Gesellschaft Erinnerungen artikuliert, ist wesentlich für die Konstruktion von Gegenwart und die Blickrichtungen von Zukunftsvisionen. Die Künstlerin Ulrike Kuschel (*1972, Berlin, DE) interessiert sich für Formen der Erinnerung, für die Mechanismen staatlicher und privater Gedenkkultur und geht vornehmlich von historischem Quellenmaterial, Schriftstücken und Bildern aus, wenn sie sich beispielsweise der Verknüpfung individueller Lebenswirklichkeit und staatlicher Herrschaft im Nationalsozialismus oder in der DDR widmet. Ihre seriellen Werke wirken wie historische Dokumente, eine erkennbare Handschrift der Künstlerin tritt zunächst hinter den historischen Ereignissen zurück, denen sie sich widmet. Kuschel stellt damit auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Dokumenten und der Faktizität von Geschichte (…).«

Anette Hüsch, Old School. Anachronismus in der zeitgenössischen Kunst, im gleichnamigen Katalog, Kunsthalle zu Kiel, 2013, S. 7.

28. März 2014

Ausstellung »Laub«, Galerie Klosterfelde Berlin, 2003



»Laub«, Dia-Wand, 2003


»Thälmannpark«

»2. Mai 2002«


Der Titel von Ulrike Kuschels siebenteiliger Bildserie ist ein Datum: 2. Mai 2002. Gleichzeitig ist er Schlüssel zu deren Dechiffrierung, denn er gibt der Handlung ihre spezifische und politische Bedeutung. Es ist der Morgen danach, ein Bild der Zerstörung: Die Energie der jugendlichen 1.-Mai-Demonstranten hat sich an der Fassade eines Berliner Warenhauses entladen. (…) Doch die Verletzbarkeit des kommerziellen Systems ist nur temporär. Stunden später sind die Spuren der »Rebellionsrituale« schon getilgt. Das Interesse der Künstlerin scheint vor allem den Handwerkern zu gelten, die sich mit einer gewissen Ruhe und Konzentration ihrer Tätigkeit widmen. Die Köpfe über ihre Arbeit gebeugt, zeigen sich die Glaser fast ausschließlich von hinten. (…) Die Spuren des ursprünglich ihnen vorbehaltenen Feiertages werden nun von den Arbeitern selbst behoben.
Madeleine Schuppli im Katalog "Gesellschaftsbilder – Images of Society", Kunstmuseum Thun, 2003




27. März 2014

Das Wohngebiet, 2001

Diaprojektion, 39 x 59 cm, 20 Dias





Ausstellung »Laub«, Galerie Klosterfelde Berlin, 2003




26. März 2014

VII.–XI. Jahresausstellung, 2010


14 Zeichnungen, Bleistift und Tintenstift auf Papier, gerahmt

»Wenn der nackte einzelne Mensch Thema einer Plastik ist, dann bestimmt das in dem Werk dargestellte Menschenbild, ob es zu einer nationalsozialistischen Interpretation geeignet ist. Kann die Plastik die 'positiven' Begriffe der nationalsozialistischen Terminologie ausdrücken, dann kann es in die Kulturpolitik eingepasst werden.« (1)

Im Bestand der Bibliotheca Hertziana in Rom befinden sich die Kataloge der Jahresausstellungen in der Villa Massimo von 1939 bis 1943. Beim Durchblättern der Kataloge habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass einige der bedeutendsten Bildhauer der DDR zur Zeit des Nationalsozialismus Stipendiaten in Rom gewesen sind, z.B. Fritz Cremer, der Schöpfer des Buchenwald-Denkmals. Obwohl alle in den Katalogen abgebildeten Skulpturen figurativ und traditionell sind, gibt es doch Unterschiede in der künstlerischen Formsprache. Um diese Unterschiede auszuloten, habe ich einige Skulpturen gezeichnet. Dabei zeigte sich für mich mehr oder weniger deutlich, welche Arbeiten die Ästhetik der NS-Kunst verkörpern, und wie es einigen Urhebern gelingt, sich den Dogmen der nationalsozialistischen Kunstauffassung zu verweigern. Während einige Stipendiaten sich in ihren Arbeiten offensichtlich der »Darstellung des schönen, aktiven Menschen (widmen), der im Rahmen der Rassenlehre und des Nationalismus interpretiert werden kann« (2), nehmen die Figuren anderer Künstler gerade keine heldenhaften und symbolischen Posen ein. Es gab anscheinend außer Fritz Cremer, Waldemar Grzimek und Ruthild Hahne, die als ehemalige Gerstel-Schüler (3) die klassizistische Grundhaltung der Berliner Bildhauerschule bewahrt hatten, auch andere Stipendiaten, deren Werk »sich dem Zugriff der nationalsozialistischen Beschreibung entziehen konnte«. (4) (UK)






(1) Arie Hartog, Bemerkungen zur Plastik im Dritten Reich, in: Christian Tümpel (Hrsg.), Deutsche Bildhauer 1900-1945 Entartet, Königstein im Taunus 1992, S. 88.
(2) Ebd. S. 90.
(3) Wilhelm Gerstel lehrte von 1924 bis 1945 an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin und steht – wie Georg Kolbe, Richard Scheibe und Gerhard Marcks – in der Tradition der Berliner Bildhauerschule aus dem 19. Jahrhundert. Außerdem war er bei der Vergabe des Rom-Preises behilflich.
(4) Hartog, S. 91.